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Emerenz Meier

www.waidlerwiki.de_waidlerblog_images_stories_artikel_sehenswuerdiges_emerenz_portrait.jpg Geboren am 3. 10. 1874 in Schiefweg bei Waldkirchen (Niederbayern), gestorben am 28. 2. 1928 in Chicago. Emerenz war eine sehr gute Schülerin und las bereits mit zehn Jahren u.a. Goethe, Schiller, Heine und große Teile der homerischen Epen und verfaßte kleine Geschichten und Gelegenheitsgedichte. Sie lebte und arbeitete auf dem väterlichen Hof und half auch als Kellnerin in der Wirtsstube. 1891 heiratete eine ihrer Schwestern und übernahm das elterliche Anwesen in Schiefweg. Der Vater kaufte im benachbarten Oberndorf einen Hof, wo sich Emerenz Meier einen kleinen Raum zum Studieren und Dichten einrichten konnte. 1893 wurde in der Passauer Donau-Zeitung ihre erste Erzählung »Der Juhschroa« veröffentlicht, die sie heimlich eingesandt hatte.

Die anfängliche Abneigung der Eltern gegen die Schriftstellerei der Tochter schwand langsam angesichts des ersten Honorars für den Zeitungsbeitrag. 1897 erschien das erste - und einzige - Buch Emerenz Meiers: »Aus dem bayrischen Wald«. Das Werk wurde von der Kritik sehr positiv aufgenommen und von Schriftstellern wie Peter Rossegger und Michael Georg Conrad gelobt. In ihren volkstümlichen Geschichten verband sie den Naturalismus mit der Heimatkunst. In der Folge veröffentlichten verschiedene Zeitungen Gedichte und Erzählungen Emerenz Meiers. 1898 lernte sie Hans Carossa kennen, der sie später so beschrieb: »ein ziemlicher Freigeist« und »über das allgemeine Weltunrecht erbittert«. Wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage wanderte die Familie nach Amerika aus. 1906 folgte Emerenz Meier ihrer Familie nach und siedelte nach Chicago über. Der erhoffte wirtschaftliche Erfolg stellte sich jedoch nicht ein. 1907 heiratete sie Josef Schmöller, der ebenfalls Auswanderer war. Die Ehe verlief unglücklich; 1908 Geburt eines Sohnes; 1910 starb ihr Mann an Schwindsucht. In zweiter Ehe heiratete sie den Nordschweden John Lindgren, der als Expedient in einer Fabrik tätig war. Mit Beginn des Weltkriegs verschärfte sich ihre Kritik an den politischen, wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen in Europa und Amerika. 1919 nahm sie den brieflichen Kontakt zu ihrer Waldkirchener Freundin und Förderin Auguste Unertl wieder auf. Die Briefe zeigen ihre Sympathien für den Kommunismus und ihre Abneigung gegen Kapitalismus und Kirche. Emerenz Meier starb am 28. Februar 1928 nach schwerer Krankheit.

Textgrundlage dieser Kurzbiographie: Emerenz Meier, Gesammelte Werke, Zweiter Band, Gedichte - Briefe - Vermischtes, herausgegeben von Hans Göttler. Grafenau: Morsak 1991.

Mein Wald, mein Leben

Ich sah den Wald im Sonnenglanz,
Vom Abendrot beleuchtet,
Belebt von düstrer Nebel Tanz,
Vom Morgentau befeuchtet:
Stets blieb er ernst, stets blieb er schön,
Und stets mußt' ich ihn lieben.
Die Freud' an ihm bleibt mir besteh'n,
Die andern all zerstieben.

Ich sah den Wald im Sturmgebraus,
Vom Winter tief umnachtet,
Die Tannen sein in wirrem Graus,
Vom Nord dahingeschlachtet;
Und lieben mußt' ich ihn noch mehr,
Ihn meiden könnt' ich nimmer.
Schön ist er, düsterschön und hehr,
Und Heimat bleibt er immer.

Ich sah mit hellen Augen ihn,
Und auch mit tränenvollen;
Bald hob er meinen frohen Sinn,
Bald sänftigt' er mein Grollen.
In Sommersglut, in Winterfrost, -
Konnt' er mir mehr nicht geben, -
So gab er meinem Herzen Trost;
Und drum: Mein Wald, mein Leben!

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