Das Wiki für den Bayerischen Wald

Unterschiede

Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.

Link zu dieser Vergleichsansicht

Beide Seiten der vorigen Revision Vorhergehende Überarbeitung
Nächste Überarbeitung
Vorhergehende Überarbeitung
neues_im_nationalpark_bayerischer_wald [2020/02/14 09:43]
gfreund
neues_im_nationalpark_bayerischer_wald [2020/09/13 08:55] (aktuell)
gfreund
Zeile 1: Zeile 1:
 ====== Interessantes aus dem Nationalpark Bayerischer Wald ====== ====== Interessantes aus dem Nationalpark Bayerischer Wald ======
 +\\
 **Interessantes aus dem Geschehen im Nationalpark Bayerischer Wald** **Interessantes aus dem Geschehen im Nationalpark Bayerischer Wald**
 +\\
 +=====Neue Erkenntnisse zu Wölfen in Nationalparken=====
 +\\
 +
 +{{ https://​www.waidlerwiki.de/​lib/​exe/​fetch.php?​w=120&​h=86&​t=1599987110&​tok=6cd8ab&​media=npv_bw_-_pm_71-20_neue_erkenntnisse_zu_woelfen_in_nationalparken.jpg?​200|Jungwölfe tappten im Nationalpark Šumava in eine Fotofalle. (Foto: Nationalpark Šumava)}}
 +
 +
 +**Forscher der Nationalparke Bayerischer Wald und Šumava identifizieren zwei Wolfsrudel**
 +
 + 
 +Seit 2015 kehren Wölfe auf natürliche Weise in das Grenzgebiet zwischen Bayern und Böhmen zurück. Diesen Prozess beobachten vor allem die Forscher der Nationalparke Bayerischer Wald und Šumava – unter anderem mittels Fotofallen und Genproben. Aufgrund der Ergebnisse des Monitorings sind die Forscher zu dem Schluss gekommen, dass die Wölfe in der Region rund um die grenzüberschreitenden Großschutzgebiete zwei regionalen, standorttreuen Rudeln angehören.
 +
 + 
 +
 +„Ein Rudel nutzt hauptsächlich die Wälder zwischen Finsterau und Srní“, erklärt Nationalparkleiter Dr. Franz Leibl. „Das zweite Rudel wird vermehrt zwischen der Trinkwassertalsperre Frauenau und Böhmisch Eisenstein gesichtet,​“ ergänzt sein tschechischer Amtskollege Pavel Hubený. Die ersten Jungtiere wurden im Jahr 2017 nachgewiesen.
 +
 + 
 +
 +Im Bereich Finsterau/​Srní haben die Wissenschaftler eine Wölfin mit deutlich sichtbarem Gesäuge fotografiert. „Die Milchdrüsen des weiblichen Tiers sind gefüllt, ein eindeutiges Zeichen für Nachwuchs“,​ so Prof. Marco Heurich, der das Wolfs-Monitoring im Nationalpark auf bayersicher Seite koordiniert. Jan Morkry, sein Kollege im Nationalpark Šumava, bestätigt: „Durch eine andere Fotofalle in diesem Gebiet tappten vier Welpen.“
 +
 + 
 +
 +Die Tiere im nördlicheren Bereich der Region wurden bereits seit letztem Winter regelmäßig durch Wildtierkameras fotografiert. Bereits genetische Analysen von Kotproben legten nahe, dass sich dort seitdem neben zwei ausgewachsenen Wölfen auch ein Jungtier aufhalten könnte. Auf das Abspielen von Heul-Geräuschen im Norden der Nationalparke Šumava und Bayerischer Wald reagierte das Rudel mit Heulen. Dabei waren deutlich Jungtierlaute herauszuhören. ​
 +
 +
 +
 +\\
 +=====Wurzelgang erstrahlt in neuem Glanz=====
 +\\
 +
 +{{ https://​www.waidlerwiki.de/​lib/​exe/​fetch.php?​w=120&​h=79&​t=1598631091&​tok=09ef61&​media=npv_bw_-_pm_67-20_wurzelgang_erstrahlt_in_neuem_glanz.jpg?​200|Achim Klein, Leiter des Hauses zur Wildnis, an der neuen Station zum Thema Aasforschung. (Foto: Gregor Wolf/​Nationalpark Bayerischer Wald)}}
 +
 + 
 +
 +**Attraktion im Haus zur Wildnis wurde runderneuert – Nachtraum folgt**
 +
 + 
 +Noch rechtzeitig für die zweite Hälfte der bayerischen Sommerferien kann das [[Haus zur Wildnis]] im Nationalparkzentrum Falkenstein bei Ludwigsthal mit einer runderneuerten Attraktion für Familien aufwarten. Nachdem der beliebte Wurzelgang seit März 2020 für Bauarbeiten geschlossen war, ist der Erlebnisrundgang seit Montag wieder zugänglich. Geblieben ist dabei nur die äußere Hülle, Stationen und Inhalte wurden aktualisiert.
 +
 + 
 +
 +„Wir freuen uns, dass die Bauarbeiten so reibungslos verlaufen sind“, sagt Achim Klein, Leiter des Hauses. „Mit der Fertigstellung des Wurzelgangs ist der erste Schritt zur Erneuerung der Dauerausstellung abgeschlossen.“ In wenigen Wochen folgt bereits der zweite Meilenstein. Dann wird der komplett neu entstandene Nachtraum seine Pforten öffnen. Dort können die Gäste dann in die geräuschvollen Abendstunden des Schutzgebiets eintauchen. Nächstes Jahr steht der Einbau eines großen begehbaren Baumes in der Haupthalle an, um den sich der Kern der neuen Ausstellung drehen wird.
 +
 + 
 +
 +Doch zurück zum Wurzelgang, in denen Besucher auf die Größe einer Maus „schrumpfen“:​ „Bei der Überarbeitung war uns wichtig, Prozesse zu verdeutlichen,​ die im Nationalpark unter der Erde ablaufen“,​ so Klein. Neu ist zum Beispiel ein Höhlenkino,​ in dem ein Film über Totengräberkäfer zu sehen ist. Auch darüber hinaus wurde das Thema Zersetzung von Aas an einigen Stellen neu integriert. Vertieft werden aber auch Inhalte zu Mykorrhiza, also dem Zusammenleben von Pilzen und Pflanzen.
 +
 + 
 +
 +Aufgrund der aktuellen Situation ist die Anzahl der Personen, die sich gleichzeitig im Wurzelgang aufhalten dürfen, jedoch beschränkt. Eine Anmeldung an der Infotheke ist erforderlich. ​
 +
 +Der Großteil der restlichen Bereiche im Haus zur Wildnis, also das 3D-Kino, die Sonderausstellung „50 Jahre (Wald)Entwicklung im Nationalpark Bayerischer Wald in Bildern“, Laden und Gastronomie sind wie gewohnt geöffnet. Nur der Kinder-Erlebnisraum ist bis auf Weiteres noch geschlossen. Dafür hat das Haus zur Wildnis – wie auch das [[Hans-Eisenmann-Haus]] bei Neuschönau und das [[Waldgeschichtliches Museum|Waldgeschichtliche Museum St. Oswald]] –  wieder ab 9 Uhr geöffnet.
 +
 + 
 +
 +
 +\\
 +=====Einblicke in die Nationalparkforschung:​ Zehn Dinge, die wir in 50 Jahren gelernt haben=====
 +\\
 +
 +{{ https://​www.waidlerwiki.de/​lib/​exe/​fetch.php?​w=120&​h=84&​t=1594807007&​tok=34be71&​media=npv_bw_-_pm_55-20_einblicke_in_die_nationalpark-forschung.jpg?​200|Auf mannhohen Stelen werden im Hans-Eisenmann-Haus die wichtigsten Erkenntnisse der Nationalpark-Forschung vermittelt. ​ (Foto: Daniela Blöchinger/​Nationalpark Bayerischer Wald)}}
 +
 +
 +**Bis 8. November**: Ausstellung „Zehn Dinge, die wir in 50 Jahren gelernt haben“ im Hans-Eisenmann-Haus
 +
 +Wie geht's den Auerhühnern im Bayerischen Wald? Was sind Urwaldrelikte?​ Und warum ist Totholz wichtig für die Biodiversität?​ Leicht verdauliche Antworten darauf gibt die aktuelle Ausstellung im [[Hans-Eisenmann-Haus]] bei Neuschönau. Unter dem Motto „Zehn Dinge, die wir in 50 Jahren gelernt haben“ können Besucher Einblicke in die Forschungsprojekte des Schutzgebiets gewinnen.
 +
 +„Die komplexen Zusammenhänge der natürlich ablaufenden Prozesse zu verstehen, ist dem Nationalpark seit Jahrzehnten ein Hauptanliegen“,​ erklärt Nationalparkleiter Dr. Franz Leibl. „Deswegen genießt die Forschung bei uns einen sehr hohen Stellenwert.“ Da Wissenschaftler für die Bevölkerung aber oft im Verborgenen arbeiten sei es umso wichtiger, deren Erkenntnisse öffentlich zu machen. „Deswegen widmet sich dieser Teil unserer Geburtstagsausstellungen auch ganz speziell der Forschung.“ Auf beleuchteten,​ mannshohe Stelen wird jedes Thema mit großformatigen Bildern und kurzen Texten – auf Deutsch und Tschechisch – aufbereitet.  ​
 +
 +
 +Zu besichtigen ist die Sonderausstellung **bis 8. November**. Das [[Hans-Eisenmann-Haus]] hat bei freiem Eintritt täglich geöffnet – aktuell von 10 bis 18 Uhr.
 +
 +
 +\\
 +=====Jubiläumsausstellung im Haus zur Wildnis=====
 +\\
 +
 +{{ https://​www.waidlerwiki.de/​lib/​exe/​fetch.php?​w=120&​h=65&​t=1594110454&​tok=84664f&​media=npv_bw_-_pm_53-20_jubilaeumsausstellung_im_haus_zur_wildnis.jpg?​200|Freuen sich auch ohne große Eröffnungsfeier über die gelungene Waldentwicklungsausstellung:​ Lisa Ornezeder, stellvertretende Leiterin vom Haus zur Wildnis (von links), Nationalparkleiter Dr. Franz Leibl und Achim Klein, Leiter vom Haus zur Wildnis. ​ (Foto: Gregor Wolf/​Nationalpark Bayerischer Wald)}}
 +
 +
 +
 +**Bis 8. November 2020: Sonderausstellung „50 Jahre (Wald)Entwicklung im Nationalpark Bayerischer Wald in Bildern“** ​
 + 
 +
 +Zum 50. Geburtstag gibt’s für die Besucher spannende Einblicke in die Waldentwicklung
 +
 + 
 +
 + Viel ist nicht geblieben vom groß geplanten Geburtstagsprogramm des Nationalparks Bayerischer Wald. Doch zumindest in einem Punkt gibt es nahezu keine Abstriche – bei den Ausstellungen. Seit wenigen Tagen ist nun auch die aufwändigste Schau zugänglich. Im Haus zur Wildnis können sich Besucher über die Waldentwicklung der vergangenen 50 Jahre informieren. Im Fokus stehen beeindruckende,​ großformatige Bilder der entstehenden Waldwildnis.
 +
 + 
 +
 +„Damit haben wir einen attraktiven Höhepunkt für unsere Gäste geschaffen“,​ ist sich Nationalparkleiter Dr. Franz Leibl sicher. „Die gezeigten Aufnahmen geben imposante Einblicke in einen Wald, der in Deutschland seinesgleichen sucht.“ Besonders erfreulich für Leibl ist, dass viele seltene Arten, egal ob Pilz, Pflanze oder Tier, groß in Szene gesetzt werden. Einige dieser besonderen Waldbewohner finden nur aufgrund des Nationalpark-Leitmottos „Natur Natur sein lassen“ die für sie notwendige Lebensraum-Nische,​ um überleben zu können.
 +
 + 
 +
 +Neben den faszinierenden Naturaufnahmen finden Besucher in der Ausstellung auch noch eine Kurzeinführung in die Geschichte des ersten deutschen Nationalparks,​ eine Leseecke, eine Diashow mit den 50 besten Bildern des Fotowettbewerbs „Mein Nationalpark“ sowie ein großformatiges Gästebuch, auf dem Gäste ihr Feedback hinterlassen können. Komplettiert wird die Ausstellung von einer mannsgroßen Stele, auf denen interaktive Vorher-Nachher-Bildvergleiche aufgerufen werden können.
 +
 + 
 +
 +Zu besichtigen ist die Sonderausstellung „50 Jahre (Wald)Entwicklung im Nationalpark Bayerischer Wald in Bildern“ bis 8. November. Das Haus zur Wildnis hat bei freiem Eintritt täglich geöffnet – aktuell von 10 bis 18 Uhr.
 +
 +
 +\\
 +=====Erfolgreiches Bildungsprojekt geht zu Ende=====
 +\\
 +
 +{{ https://​www.waidlerwiki.de/​lib/​exe/​fetch.php?​w=120&​h=80&​t=1592815280&​tok=8a58e6&​media=npv_bw_-_pm_46-20_erfolgreiches_umweltbildungsprojekt_geht_zu_ende_1_.jpg?​200|Das Projektteam um Iris Niederdöckl (von links), Elisabeth Frank, Rita Gaidies und Rupert Frantacek präsentiert stolz das Forschertagebuch und die Informationstafeln am Jugendwaldheim. (Foto: Stefan Heigl/​Nationalpark Bayerischer Wald)}}
 +
 +
 +**Umweltbildung zu Natura 2000 in Oberösterreich und Bayern**
 +
 + 
 +Sichtlich zufrieden blickt Elisabeth Frank auf das frisch eingetroffene „Forschertagebuch – Biodiversität im Böhmerwald“. „Es ist wirklich schön geworden“,​ kommentiert sie. Das kleine Heft ist eines der Ergebnisse des Interreg-Projekts „Grenzüberschreitende Umweltbildungsarbeit im oberöstereichisch-bayerischen Böhmerwald“. Am 30. Juni endet die EU-geförderte Kooperation der österreichischen Böhmerwaldschule und des [[Jugendwaldheim|Jugendwaldheims]],​ der ältesten Umweltbildungseinrichtung des Nationalparks Bayerischer Wald.  Dort traf sich das Projektteam noch einmal für eine abschließende Besprechung.
 +
 +In der Böhmerwald-Region befinden sich mehrere große Natura 2000-Gebiete,​ darunter der Nationalpark Bayrischer Wald. „Mit unserer Umweltbildungsarbeit die Menschen vor Ort, aber auch die jeweils verantwortlichen Pädagogen länderübergreifend zusammenzubringen,​ war und ist uns ein Herzensanliegen“,​ erklärt Frank, die Projektbetreuerin im Nationalpark. Das länderübergreifende Netz aus Schutzgebieten bildet die Basis zum Erhalt der Artenvielfalt in der Grenzregion. Dementsprechend lag der Fokus der entwickelten Umweltbildungsprogramme auf dem Thema Biodiversität.
 +
 +Neben diesem Hauptthema sind Totholz, Boden, Wasser und Natura 2000 Gegenstand der einzelnen Programme. Zusammen mit Forschern aus ihren Einrichtungen arbeitete das Projektteam ihre Ideen aus und testete sie gründlich mit Schulklassen und anderen Gruppen. Zudem wurden rund um das Jugendwaldheim drei regensichere Unterstände sowie barrierefreie Gruppenräume in Österreich gebaut und kindgerechte Informationstafeln entwickelt und vor den Einrichtungen aufgestellt. „Vor allem Kinder und Jugendliche wollen wir für die Schutzgebiete vor unserer Haustüre sensibilisieren“,​ so Frank.
 +
 +Ehrenamtliche,​ Lehrkräfte und externe Interessierte auf beiden Seiten wurden in der Umsetzung der Programme geschult, um die Kenntnisse und Fähigkeiten vermitteln zu können. Auch nach dem Ende des Projektes wird die Zusammenarbeit mit der Böhmerwaldschule weitergeführt. Denn die Bildungsarbeit in der Region soll langfristig miteinander vernetzt bleiben, genauso wie die Natur und die Lebensräume im Grenzgebiet.
 +
 +
 +
 +\\
 +=====Pilzfernseher fürs Waldgeschichtliche Museum=====
 +\\
 +
 +{{ https://​www.waidlerwiki.de/​lib/​exe/​fetch.php?​w=120&​h=87&​t=1590833537&​tok=d34f56&​media=npv_bw_-_pm_37-20_pilzfernseher_fuers_waldgeschichtliche_museum.jpg?​200|Christian Binder zeigt die neue Installation im Waldgeschichtlichen Museum. (Foto: Annette Nigl /​Nationalpark Bayerischer Wald)}}
 + 
 +
 +**Neue Installation zeigt Film „Mykorrhiza:​ Was Pilz und Pflanze verbindet“**
 + 
 +
 +Pünktlich zur Wiederöffnung nach der coronabedingten Zwangspause gibt es im [[Waldgeschichtliches Museum|Waldgeschichtlichen Museum]] in St. Oswald eine neue Installation. In einem Rahmen, der wie ein Pilz aussieht, gibt es auf einem Bildschirm den Film „Mykorrhiza kinderleicht erklärt: Was Pilz und Pflanze verbindet“ in Deutsch, Tschechisch und Englisch zu sehen.
 +
 +„Diese neue Installation im Untergeschoss ist eine Bereicherung für das Haus“, erklärt Christian Binder, Leiter des Waldgeschichtlichen Museums. Der Lehrfilm erklärt die Symbiose zwischen Pilz und Pflanze. Der dreiminütige,​ animierte 3D-Film entstand im Rahmen der bayerisch-tschechischen Kooperation ZIEL ETZ und der Förderprojekte INTERREG und EUREGIO. Er ist nicht nur im Waldgeschichtlichen Museum zu sehen, sondern auch im [[Hans-Eisenmann-Haus]] sowie im [[Haus zur Wildnis]]. „Außerdem nutzen die tschechischen Kollegen des Nationalparks Šumava den Film in ihren Bildungseinrichtungen und Infostellen.“ Zu sehen ist der Film auch auf dem YouTube-Kanal des Nationalparks Bayerischer Wald.
 +
 +Generell gibt es im Waldgeschichtlichen Museum derzeit noch coronabedingte Einschränkungen. „Wir müssen die aktuell geltenden Hygiene- und Abstandsregeln einhalten“,​ so Binder. Deshalb sind der Treppenbaum,​ die Wurzelhöhle,​ das Vogelnest, die Magmakammer sowie die Hörsessel gesperrt. Der Rest des Museums ist begehbar.
 +
 +
 +
 +\\
 +=====Aufbruch ins Walderleben=====
 +\\
 +
 +{{ https://​www.waidlerwiki.de/​lib/​exe/​fetch.php?​w=120&​h=68&​t=1589272606&​tok=6809a8&​media=npv_bw_-_pm_31-20_aufbruch_ins_walderleben_3_.jpg?​200|Waldführer wie Wilhelm Hoff leiten nicht nur den Großteil der öffentlichen Führungen, sondern sind auch bei der Betreuung von Schulklassen im Einsatz. (Foto: Daniela Blöchinger/​Nationalpark Bayerischer Wald)}}
 +
 +
 +**Rückblick auf 50 Jahre Umweltbildung im Nationalpark Bayerischer Wald
 +**
 +
 +Ein alter, morscher Baumstamm steht mitten im Wald. Überall ist er von Baumpilzen und Moosen überwuchert. An vielen Stellen ist die Rinde schon komplett abgeblättert. Kurz dahinter steht ein gutes Dutzend Studenten. Sie hören nicht nur gebannt dem lauten Zwitschern der Vögel zu, sondern vor allem den Worten von Lukas Laux. Er ist seit 1989 Umweltbildungsreferent des Nationalparks. Sein Ziel: Junge Menschen für wilde Natur begeistern.
 +
 +Die Szene hat sich so im April des vergangenen Jahres in der Nähe von [[Zwieslerwaldhaus]] ereignet. Laux war dort im Rahmen des Einführungsseminars für Commerzbank-Umweltpraktikanten aus ganz Deutschland als Referent unterwegs. Auch 2020 hätte das einwöchige Seminar stattfinden sollen. Wie so vieles wurde es Opfer der Corona-Pandemie.
 +
 +Trotz der aktuellen Ruhe im Wald, zieht das Schutzgebiet derzeit Jubiläumsbilanz. Als erster deutscher Nationalpark überhaupt wird es heuer 50 Jahre alt. Fast genauso lang wird zwischen Fichten, Tannen und Buchen Umweltbildung betrieben. Vieles hat sich dabei verändert. Methoden und Einrichtungen haben sich weiterentwickelt. Im Laufe der Zeit sind dem Bildungsteam des Nationalparks auch einige wegweisende Weichenstellungen geglückt. Ein Rückblick.
 +
 +„Die Anfangsjahre waren stark von Arbeitseinsätzen geprägt“,​ erklärt Laux. Ausgehend vom 1974 eröffnetem Jugendwaldheim bei Schönbrunn am Lusen habe man mit Gruppen Wege gebaut, Bäume gepflanzt, alte Zäune abgebaut oder Wiesen freigeschnitten. Im Zuge der Etablierung des Leitgedanken ‚Natur Natur sein lassen‘ sei diese Art von Aktionen mehr und mehr hinfällig geworden. Es folgten vor allem klassische Wanderwochen. Auch mit dem Konzept Schule im Grünen, also der Verlegung des Klassenzimmers in den Wald bei sonst vergleichbaren Lehrbedingungen,​ wurde gearbeitet.
 +
 +Anfang der 1990er Jahre begann dann der Aufbruch ins Walderleben. „Wir haben fortan versucht, sinnliche und experimentelle Ansätze zu verfolgen“,​ so Laux. Kern des Gedankens: Kinder und Jugendliche sollen erstmal für die Natur begeistert werden. Rückfragen kommen dann von ganz allein. „Zunächst wurden wir dafür belächelt, später hat sich diese Methode nicht nur deutschlandweit durchgesetzt.“ Den Vogelstimmen lauschen, mit bloßen Füßen über den Waldboden schreiten, in Bächen nach Wasserinsekten Ausschau halten oder einfach mal ruhig in der Natur sitzen und die Umgebung mit allen Sinnen wahrnehmen. Neudeutsch: Waldbaden. All das gehört mittlerweile zum Standard des Umweltbildungsteams.
 +
 +Weiterer Erfolgsfaktor ist die Aufteilung in Kleingruppen. „Früher war es üblich, dass ein Führer mit der ganzen Klasse durch den Wald läuft“, blickt Laux zurück. „Mittlerweile versuchen wir überall dort, wo es geht, Kleingruppen zu bilden.“ Vorteil dabei: „Wir können garantieren,​ dass jedem Schüler genügend Aufmerksamkeit geschenkt wird – und auch jeder alles selbst ausprobieren kann.“
 +
 +Generell werden die Angebote für Schulen immer offener gestaltet. „Bei Klassenfahrten mit Übernachtung in den Themenhütten des 2002 eröffneten Wildniscamps am Falkenstein geht das sogar so weit, dass wir den Kindern eine Woche Zeit im Wald schenken“,​ berichtet Laux. Die jungen Teilnehmer beschäftigten sich dann mit selbst gewählten Projekten und lassen ihrer Kreativität inmitten der Natur freien Lauf. „118.084 Übernachtungen wurden allein von 2010 bis 2019 im Wildniscamp und im [[Jugendwaldheim]] gezählt“,​ weiß Nationalparkleiter Dr. Franz Leibl. Nicht nur diese Zahl belegt den Erfolg der umgesetzten Konzepte.
 +
 +Doch seit jeher lag der Fokus der Umweltbildung auch auf Urlaubern und Tagesausflüglern. Deswegen beginnt der Nationalpark Anfang der 1990er Jahre sein Führungsprogramm zu erweitern. Gab es vorher nur in den Ferienzeiten frei buchbare Angebote, werden diese nun zeitlich ausgedehnt. Das geht mit einem erhöhten Bedarf an Führungspersonal einher. „An dieser Stelle kamen Einheimische ins Spiel“, erinnert sich Umweltbildungsreferent Laux. Wurden geführte Touren bisher meist von Studenten geleitet, kamen nun ehrenamtliche Waldführer hinzu. „Wir wollten, dass die Einheimischen ihren Nationalpark vorstellen.“ Bis heute hat sich dieses Konzept so gut bewährt, dass es vielerorts kopiert wurde.
 +
 +Um auch Menschen der Region mit Programmen zu erreichen, entwickelt das Umweltbildungsteam regelmäßig Sonderführungsreihen. So gab es Veranstaltungen mit Künstlern, Heimatverbänden und Kirchen. Letzteres hat sich unter dem Motto „Nationalpark und Schöpfung“ sogar langfristig etabliert. Bahnbrechend zum Kontakt mit der jungen Bevölkerung war Ende der 1990er Jahre der Start des Junior-Ranger-Projekts,​ bei dem jedes Jahr Fünftklässler aus der Region vier Tage lang den Nationalpark entdecken können. Fast 3000 Teilnehmer zählte man dabei bisher.
 +
 +„Seit 2011 gibt’s darüber hinaus sogar eigens ausgezeichnete Nationalpark-Schulen,​ die eine ständige Kooperation mit uns pflegen“, so der Umweltbildungsreferent. Aktuell werden zehn Einrichtungen,​ von der Grundschule bis zum Gymnasium, betreut. Hinzu kommen pädagogisch wertvolle Kindergeburtstage,​ die vor allem von Teilnehmern am freiwilligen ökologischen Jahr inmitten der Natur durchgeführt werden. Von 2010 bis 2019 fanden 845 dieser wilden Partys statt. ​  
 +
 +Mit der wachsenden Zahl an Umweltbildungsangeboten – 2019 nahmen über 50.000 Menschen an den Programmen teil – wachsen auch die Herausforderungen für die Waldführer,​ die mittlerweile den Großteil der Führungen betreuen. Deswegen ist gerade in jüngster Zeit viel Aufwand in die professionelle Weiterbildung investiert worden. „Unserem Team von etwa 120 aktiven Waldführern steht mittlerweile ein richtiger Fortbildungskatalog zur Verfügung, aus dem sie wählen und ihre eigenen Schwerpunktthemen vertiefen können“, sagt Laux.  ​
 +
 +Neuester Trend dabei ist das Philosophieren. „Gerade in der Natur gibt es oft kein richtig oder falsch“, begründet Laux diesen neuen Schwerpunkt. „Allein der Begriff ‚Wildnis‘ ist nicht wirklich klar definierbar. Beim Philosophieren darüber kommt man mit den Gästen ganz anders ins Gespräch, als bei einer klassisch vorgetragenen Führung. Es wird interaktiver und lebendiger.“
 +
 +Und wohin geht die Reise im nächsten Jahrzehnt? „Zunächst einmal wollen wir das erarbeitete hohe umweltpädagogische Niveau halten“, sagt Nationalparkleiter Leibl. „Zudem leben wir in einem wilden, trilateralen Grenzgebiet,​ das viele Chancen bereithält.“ Deswegen würde nicht nur Leibl gern auch im Umweltbildungsbereich verstärkt Angebote im Verbund mit tschechischen und österreichischen Partnern etablieren.
 +
 +Einige von der Europäischen Union geförderte Interreg-Projekte sind bereits angestoßen oder sogar umgesetzt. Beispielsweise gibt es zur nahezu fertiggestellten Waldwerkstatt im [[Hans-Eisenmann-Haus]] ein Spiegelprojekt im Nationalpark Šumava. Daneben hat das [[Jugendwaldheim]] zusammen mit der Böhmerwaldschule in Oberösterreich Bildungskonzepte zum Thema Biodiversität erarbeitet. Weitere Ideen liegen in der Schublade. So bleibt auch nach Corona viel zu tun im Umweltbildungsteam des Nationalparks.
 +
 +Meilensteine der Nationalpark-Umweltbildung:​
 + 
 +
 +1974: Das Jugendwaldheim bei Schönbrunn am Lusen geht als erstes dieser Art in Bayern in Betrieb.
 +
 +1978: Bei Spiegelau wird das Waldspielgelände eröffnet.
 +
 +1990: Im Nationalpark wird das Commerzbank-Umweltpraktikum entwickelt. Mittlerweile sind 27 Schutzgebiete Teil des Projekts.
 +
 +1990: Erstmals werden Einheimische zu ehrenamtlichen Waldführern ausgebildet.
 +
 +1994: Für 1,6 Millionen Deutsche Mark wird das Jugendwaldheim erweitert.
 +
 +1998: Erstmal findet in den Ferien das Junior-Ranger-Projekt statt.
 +
 +2002: Als zweite große Umweltbildungseinrichtung wird das Wildniscamp am Falkenstein eröffnet.
 +
 +2009: Im Jugendwaldheim entsteht ein Anbau mit Seminar- und Computerraum.
 +
 +2009: Das Wildniscamp wird „ausgezeichnetes Projekt der UN-Dekade für nachhaltige Entwicklung“.
 +
 +2011: Die Nationalpark-Bildungsarbeit wird erstmals mit dem Gütesiegel „Umweltbildung.Bayern“ ausgezeichnet.
 +
 +2011: Das Kooperationsprojekt Nationalpark-Schulen startet.
 +
 +2016: Die Waldführer-Ausbildung wird reformiert und findet nun als Blockseminar statt.
 +
 + 
 +
 + 
 +\\
 +=====Schulklassen:​ Bitte lächeln!=====
 +\\
 +{{ https://​www.waidlerwiki.de/​lib/​exe/​fetch.php?​w=89&​h=120&​t=1582280416&​tok=05bef8&​media=npv_bw_-_pm_15-20_schulklassen_bitte_laecheln_1_.jpg?​200|Knapp 500 Schulklassen kamen allein im vergangenen Jahr in den Nationalpark. Zum 50. Geburtstag gibt’s nun eine Fotoaktion für die jungen Naturfans. (Foto: Daniela Blöchinger/​Nationalpark Bayerischer Wald)}}
 +
 +
 + 
 +
 +**Fotoaktion des Nationalparks im Rahmen des 50. Geburtstags**
 + 
 +Im Schnitt besucht täglich mehr als eine Schulklasse den Nationalpark Bayerischer Wald, um von seiner wilden Natur zu lernen. Allein 2019 nahmen 475 Klassen mit über 10 000 Schülern an Umweltbildungsprogrammen teil. „Die große Zahl und die Vielfalt der interessierten Kinder möchten wir in unserem Jubiläumsjahr in besonderer Weise dokumentieren“,​ sagt Nationalparkleiter Dr. Franz Leibl mit Bezug auf den 50. Geburtstag des Schutzgebiets,​ der heuer gefeiert wird. Daher ist nun eine Fotoaktion ins Leben gerufen worden.
 +
 +Auf der Homepage des Nationalparks – www.nationalpark-bayerischer-wald.de – finden Lehrer ein Infoblatt zur Aktion zum Download. Damit können die Eltern vorab informiert werden. Die Fotos selbst sollen dann am Ende der Führungen im Nationalpark entstehen.
  
 \\ \\

neues_im_nationalpark_bayerischer_wald.1581673434.txt · Zuletzt geändert: 2020/02/14 09:43 von gfreund

test